Ernährungstherapie bei Pankreaserkrankungen

Diätassistentin Heike Dethardt
Diätassistentin Heike Dethardt

Die Ernährungstherapie ist ein wichtiger Baustein in Therapie und Nachsorge von Erkrankungen des Pankreas. Die richtige Ernährung, kombiniert mit konsequenter Enzymersatztherapie (PERT) spielt eine entscheidende Rolle für den Ernährungszustand und die Lebensqualität von Patienten mit Pankreaserkrankungen.

Ernährungstherapie bei Pankreaserkrankungen war das Thema des Vortrages von Diätassistentin Heike Dethardt, Sprecherin der Fachgruppe Gastroenterologie beim Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband (VDD), auf dem 63. Bundeskongress des Verbandes im Rahmen des Symposiums der Nordmark Pharma GmbH.

Ernährungs-Risiken bei Pankreaserkrankungen

Pankreassekret ist für die Verdauung und somit die Verwertung von Nahrung essenziell. Entsprechend gravierend können die Auswirkungen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) sein: Nicht nur Symptome wie Meteorismus und Bauchschmerzen, erhöhte Stuhlfrequenz und Steatorrhoe, sondern in der Folge auch Gewichtsabnahme, Mangelernährung sowie bei gleichzeitigem Diabetes mellitus die Hypoglykämie könnten auftreten, so Dethardt.

Der menschliche Körper sezerniere täglich etwa 1,5-3 Liter enzymhaltigen, alkalischen Pankreassaft (pH 8-8,3). Die Menge freigesetzter Pankreasenzyme übersteige bei weitem den Bedarf, so dass Störungen der Verdauungsleistung sich erst nach Zerstörung von 80-90 % des Drüsengewebes bemerkbar machten. Eine Pankreasinsuffizienz müsse daher nicht zwangsläufig sofort mit einer Verdauungsinsuffizienz einhergehen.1

Dennoch berge eine Pankreaserkrankung jeder Art immer das Risiko der Mangelernährung. Ziel der Therapie sei daher, so die Ernährungsexpertin, Gesamtenergie, Protein und vor allem Fette adäquat zuzuführen und deren Resorption durch ausreichende Enzymsubstitution zu gewährleisten. So könnten auch mögliche Mangelzustände, z. B. an fettlöslichen Vitaminen, insbesondere dem Vitamin D, vorgebeugt bzw. behoben werden. Ebenso müsse ggf. auf die Besonderheiten des pankreopriven Diabetes Typ 3c geachtet werden.

Unterschiedliche Strategien je nach Pankreaserkrankung

Es gebe nicht die Pankreas-Diät, denn je nach Zustand des Patienten und zugrunde liegender Erkrankung seien unterschiedliche Maßnahmen zu treffen. Wichtig sei jedoch, frühzeitig Gewichtsverlust und Mangelernährung zu identifizieren und mit ernährungstherapeutischen Maßnahmen gegenzusteuern. Gemein sei allen exokrinen Pankreaserkrankungen, dass Mangelernährung spätestens im fortgeschrittenen Stadium eine wesentliche Rolle spiele und die Enzymsubstitution einen zentralen Therapiebaustein darstelle, der wesentlich zur Lebensqualität der Patienten beitrage.

Eine besondere Herausforderung stelle die adäquate Dosierung von Pankreatin dar, allein diese mache die Empfehlung einer Ernährungsberatung bei allen Patienten sinnvoll. Denn die Dosierung sei abhängig von Nahrungszusammensetzung, Symptomatik und vom individuellen Bedarf. Feste Schemata – z. B. 3×1 Kapsel am Tag – seien immer falsch, so Dethardt. Bei andauernden Beschwerden sei der erste Schritt die Überprüfung der Dosierung von Pankreatin. Eine Überdosierung sei kaum möglich.

Im weiteren Verlauf des Vortrags erläutert Frau Dethardt die unterschiedlichen ernährungstherapeutischen Maßnahmen, z.B. bei chronischer Pankreatitis, beim Pankreaskarzinom sowie nach Operationen am Pankreas.

Beispiel: Ernährungstherapie bei chronischer Pankreatitis

Die S3 Leitlinie zur chronischen Pankreatitis besagt: „Patienten mit chronischer Pankreatitis und klinisch manifester exokriner Pankreasinsuffizienz (Gewichtsverlust, Mangelernährung) sollten eine Substitutionstherapie mit Pankreasenzymen zusammen mit einer individuell adäquaten ernährungsmedizinischen Intervention erhalten, um eine Verschlechterung des Ernährungszustandes gezielt zu verhindern bzw. zu stoppen.“2

Chronische Pankreatitis Empfehlungen Nährstoffzufuhr

Kritische Mikronährstoffe seien, so Dethardt, vor allem die fettlöslichen Vitamine ADEK, wasserlösliche Vitamine (Vitamin B1, Folat) und auch Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium, Zink und Eisen. Im Rahmen der Ernährungstherapie werde auf die individuelle Ernährungslage des Patienten eingegangen, eine und vor allem auch die korrekte Einnahme von Pankreasenzymen vermittelt. Eine aktuelle Meta-Analyse bestätigt, dass PERT bei Patienten mit chronischer Pankreatitis und gleichzeitigem Vorliegen einer EPI den Ernährungszustand, die gastrointestinalen Symptome und die Lebensqualität entscheidend verbessert.3

Info: So erhalten Ihre Patienten eine Ernährungstherapie

Bei seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen oder Mukoviszidose kann die Ernährungstherapie nach § 42ff Heilmittel-Richtlinie verordnet werden (vertragsärztliches Formular 13). Sie dient aber auch in anderen Fällen der Sekundär- oder Tertiärprävention. Als Ergänzung zur ärztlichen Therapie kann sie bei ernährungsbedingten Diagnosen wie Diabetes mellitus sowie bei krankheitsbedingten Ernährungsproblemen, beispielsweise bei onkologischen und/oder exokrinen Pankreaserkrankungen, sinnvoll sein.

Als Arzt können Sie Ernährungstherapie empfehlen oder in bestimmten Fällen auch verordnen. Dabei gibt es Unterschiede, insbesondere bei der Übernahme der Kosten:

  • Ernährungstherapie als Teil einer medizinischen Reha: Prüfen Sie, ob die vorliegenden Diagnosen eine Reha rechtfertigt. In diesen Fällen können Sie Formular 61, Teil B zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung für die Verordnung nutzen. Zulasten der Rentenversicherung gibt es eigene Reha- Antragsformulare. Über Kostenübernahme wird aufgrund der Ihrer ärztlichen Verordnung und Begründung entschieden.
  • Ernährungstherapie auf ärztliche Empfehlung: Kommt keine Reha in Betracht, können Sie dem Patienten eine formlose Bescheinigung für eine Satzungsleistung, (als ergänzende Leistung zur medizinischen Reha nach § 43 SGB V) oder ggf. auch Formular 36 – „Empfehlung zur verhaltensbezogenen Primärprävention” gemäß § 20 Absatz SGB V – ausstellen. Patienten sollten sich dann vorab bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob und in welcher Höhe eine Kostenbeteiligung erfolgt.

Welche Leitlinien helfen weiter?

  • S3 Leitlinie chronische Pankreatitis2
  • S3 Leitlinie Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 2)- Pankreas4
  • S3 Leitlinie exokrines Pankreaskarzinom5
  • S3 Leitlinie Klinische Ernährung in der Chirurgie6
  • S3 Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie7

Literatur:

  1. Hahn and Ferschke. ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2017; Der Verdauungstrakt. Teil 4 Pankreas: 154-160
  2. Hoffmeister A et al. S3-Leitlinie Chronische Pankreatitis: … Z Gastroenterol 2012; 50: 1176–1224
  3. de la Iglesia-Garcia D et al. Efficacy of pancreatic enzyme replacement therapy in chronic pancreatitis: systemic review and meta-analysis. Gut 2017; 66:1354-1355.
  4. Ockenga J et al. S3-Leitlinie der Deutschen … Aktuel Ernahrungsmed 2014; 39: e43–e56
  5. SeufferleinTetal. S3-Leitliniezumexokrinen… Z Gastroenterol 2013;51:1395–1440
  6. Weimann A et al. S3-Leitlinie der … Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: e155–e197
  7. Arends J et al. Klinische Ernährung in … Aktuel Ernahrungsmed 2015; 40: e1–e74

Die Veröffentlichungen beziehen sich nicht namentlich auf die hier beworbenen Produkte.

Pflichtangaben für Fachkreise: Pankreatan® 10.000 / 25.000 / 36.000 / Pankreatan® 20.000 Ph.Eur.-Einheiten / Pankreatin 40.000 Nordmark®

Wirkst.: Pankreas-Pulver vom Schwein. Zusammens.: Pankreatan 10.000 / 20.000 / 25.000 / 36.000 / Pankreatin 40.000 Nordmark – 1 magensaftresistente Hartkapsel enthält 97,6 / 195,2 / 244 / 303,5 / 319,05–414,35 mg Pankreas-Pulver vom Schwein (Lipaseaktivität 10.000 / 20.000 / 25.000 / 36.000 / 40.000 Ph.Eur.-Einh., Amylaseaktivität mind. 7.500 / 15.000 / 18.750 / 22.000 / 25.000 Ph.Eur.-Einh., Proteaseaktivität mind. 450 / 900 / 1.125 / 1.200 / 1.500 Ph.Eur.-Einh.). Sonst. Bestandt.: Pankreatan 10.000 / 20.000 / 25.000 / 36.000  – Crospovidon, mikrokristalline Cellulose, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Methacrylsäure-Ethylacrylat-Copolymer (1:1) Dispersion 30 % (Ph.Eur.), Polysorbat 80, Wasser, Triethylcitrat, Talkum, Simeticon Emulsion (Simeticon / Methylcellulose / Sorbinsäure (Ph.Eur.) / Wasser), Montanglycolwachs, Gelatine, Titandioxid (E171), Eisenoxide und -hydroxide (E 172) [Eisenoxide nicht in Pankreatan 20.000], Natriumdodecylsulfat. Pankreatin 40.000 Nordmark – Gelatine, Methacrylsäure-Ethylacrylat-Copolymer (1:1) Dispersion 30% (Ph.Eur.), Simeticon Emulsion (Simeticon, Methylcellulose, Sorbinsäure (Ph.Eur.), Wasser), Talkum, Triethylcitrat, Titandioxid (E 171), Eisenoxide und -hydroxide (E 172), Natriumdodecylsulfat. Anw.: Störungen der exokrinen Pankreasfunktion, die mit einer Maldigestion einhergehen. Bei Kindern, Jugendlichen u. Erwachsenen. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Nebenw.: Sehr häufig: Bauchschmerzen. Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Diarrhoe, Völlegefühl/Blähungen. Gelegentlich: Ausschlag. Häufigkeit n. bekannt: Strikturen der Ileozökalregion und des Dickdarms (fibrosierende Kolonpathie), Pruritus, Urtikaria, Überempfindlichkeit, anaphylaktische Reaktionen. Weitere Hinweise siehe Fachinformation. Stand: Februar 2021.

Nordmark Pharma GmbH, Pinnauallee 4, 25436 Uetersen.
Mitvertrieb: Nordix Pharma Vertrieb GmbH, Pinnauallee 4, 25436 Uetersen.
Ein Unternehmen der Nordmark-Gruppe

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